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„Theater hat die Aufgabe, dass verdrängte Wissen, um die Abgründe des menschlichen Daseins und die scheinbar unlösbaren Konflikte in der Gesellschaft und zwischen den Menschen, im Rampenlicht zu zeigen.“

Peter Zadek

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Ich bin mit den Slapstickfilmen, der großen Filmkomiker in Schwarz-Weiß aufgewachsen. Laurel und Hardy, Charly Chaplin, Buster Keaton, W. C. Fields und die Marx- Brothers zeigten eindrucksvoll wie sie ihren Platz an der Sonne suchten. Es wurde getreten, geworfen, zerstört und kräftigt ausgeteilt, kurz, die Ge- bzw. Ungerechtigkeit nahm ihren Lauf… Diese brachiale, frische Komik übte auf mich eine große Faszination aus. Und wie sagte doch Martin Luther schon damals: „Lachen und Spott vertreiben den Teufel“.

Der Clown ist auf seiner langen Reise durch die heitere Geschichte, ob als Naturclown oder Hofnarr, ob als Pierrot oder Shakespeareclown, ob als Zirkusclown, Anarchoclown oder in Gestalt des bösen Clowns „Pennywise“, aus dem Buch „es“ von Stephen King, jetzt auch im Alltag angekommen. Es warten viele Möglichkeiten für den Clown und sein Spiel… Als Klinikclown im Krankenhaus, in der pädagogischen Arbeit mit Kindern als Schul- oder Kindergartenclown, als Unterhaltungsclown auf Festen, als Straßenclown in der Fußgängerzone, als Werbeclown auf Plakaten oder als Kunst- oder Performanceclown, überall begegnet uns die positive und manchmal destruktive Energie des Clowns, über die herzlich gelacht werden darf.

Der Clown spielt mit den Gegensätzen: In einer angespannten Welt sorgt der Clown für einen Moment der Entspannung, in einer oberflächlichen Welt gibt der Clown einen Anstoß zum Nachdenken, in einer geordneten Welt stört der Clown die Gesetze der Ordnung und entmachtet spielerisch den König , kurz, der Clown macht immer genau das Gegenteil von dem, was erwartet wird. Er überrascht die Menschen und verdreht deren Worte, Werte und Normen, die die Welt in „Schwarz oder Weiß“ einteilen mit seinen spontanen Einfällen. Der Clown muss seine Zuschauer wachrütteln. Doch aufgepasst, dass, worüber wir lachen, darf keinen Schaden anrichten oder hinterlassen, sonst wäre die geschehene Aktion nicht komisch, diese Leichtigkeit muss sich der Clown bewahren…

Wunderbar, wenn der Clown seinem Publikum für einen Moment den sicher geglaubten Boden unter den Füßen weg zieht und die Erwartungshaltung nicht erfüllt, vielleicht einen magischen Moment herauf beschwört oder eine Überraschung aus den Hut zaubert und so spielend alle zum Lachen bringt und jeder denkt, gleich passiert es…

Den Kindern öffnet der Clown das Tor in die Welt der Märchen und Träume. Der Clown spielt sein Spiel, seine Sprache ist das Spiel, im einfachen Spiel sagt er die Wahrheit, sein Spielinstrument ist sein Körper und in jedem Clown steckt auch ein spielendes Kind. Seine Ausstrahlung, sein Instinkt, seine Energie und Phantasie, seine Spielfreude und seine Hingabe sind sein Kapital. Die Kunst des Clowns ist nicht leicht zu erlernen und erfordert das ganze Kind. Aber ein Versuch lohnt sich… Doch wenn der Clown mit roter Nase vor sein Publikum tritt, dann nicht halbherzig, sondern mit seiner ganzen Spielerpersönlichkeit und einem beherzten Sprung. Ich wünsche allen Spielern viel Spaß und Erfolg auf ihrem Weg zum Clown…

Thomas Hennrich